Jahresrückblick 2014

Sonntag, 23 November 2014 22:05

Wiedermal ist ein Jahr ins Land gegangen… Halt! Sie staunen? Und das zu Recht, denn es ist doch erst November!

 

Aber wie es im sakralen Bereich das Kirchenjahr gibt, das um Ostern kreist, so hat auch die Musikkapelle ihren eigenen Jahreskreis, der mit dem Fest der heiligen Cäcilia, der Heiligen der Musikkapellen und Musiker beginnt und endet. Und dieses Mal war es ein besonderes Jahr, denn die Musikkapelle Neumarkt feiert heuer einen runden Geburtstag, genau vor 190 Jahren wurde sie nämlich gegründet und das war natürlich für die Musikanten ein noch größerer Anreiz den Leuten ihr Können zu beweisen und zu zeigen, dass sie nicht umsonst so lange überlebt hat.  

Höhepunkt des Musikkapellenjahres ist wohl das Frühlingskonzert im April. Monatelang proben die Musikanten für dieses eine große Konzert und feilen an den Stücken. Um für dieses Konzert top vorbereitet zu sein, trafen sich die Musikanten einmal sogar am Wochenende um gemeinsam zu Proben.

Mit größter Sorgfalt sucht Giovanni, der Kapellmeister die Stücke für dieses Konzert aus, schließlich weiß er, dass die Musikkapelle sich in diesem Konzert vor der ganzen Dorfgemeinschaft beweisen muss, deshalb wählt er zum Teil schwierige und anspruchsvolle Werke, Klassiker oder neuere Kompositionen, aber auch einfachere und unterhaltsame Stücke sind dabei sowie Märsche und Polkas. Und wenn dann am großen Abend noch ein schiefer Ton zu hören ist, dann ist das sicher nicht mangelnden Proben oder fehlendem Können geschuldet sondern einfach nur der Nervosität. 

Neben diesem bedeutsamen Konzert spielen die Musikanten auch aus allen möglichen anderen Anlässen, um ihr Können unter Beweis zu stellen und die Leute zu erfreuen.

Da wären einmal die Platzkonzerte von denen es heuer zwei gab, oder das alljährliche Peter und Paul Konzert, das dieses Jahr leider buchstäblich ins Wasser fiel, sehr zum Ärgernis der Musikanten, die schon ihr ganzes „Graffl“ an den Ort des Geschehens gebracht hatten.

Und eine besondere spielerische Herausforderung stellte das besinnliche Konzert in der Pfarrkirche dar, wo die Musikanten auch noch die letzten Kritiker davon überzeugen konnten, dass Blasmusik nicht nur Krawall ist. 

Nicht nur im Dorf ist „die Musig“ unterwegs, nein sie gibt Land auf, Land ab Konzerte, ob nun in Eggen, im tiefsten Vinschgau (in Burgeis) oder auf der anderen Seite Südtirols im Gadertal in St. Vigil am Enneberg, überall wo man sie hin bittet erscheinen die fleißigen Musikanten, wobei das eigene Dorf natürlich immer Vorrang hat. 

Die meisten Neumarktner werden ihre Musikkapelle aber nicht aus den Konzerten kennen, sondern eher von Gelegenheiten, in denen sie spielend durchs Dorf marschiert, wobei es aber ganz von der Tageszeit abhängig ist, ob eine militärisch strenge Marschformation eingehalten wird oder die Musikanten lieber Schafherde spielen. Das ganze kann zu zackiger Marschmusik geschehen, bei so Gelegenheiten wie der Andreas Hofer-Feier oder beim Einmarsch in ein Fest wie dem Laubenfest, oder zu langsamen und getragenen Prozessions- und Trauermärschen, bei den Beerdigungen und bei Prozessionen. Und Prozessionen gibt es einige: die lange, und bei allen Mit-gehenden gefürchtete, Floriani-Prozession; die durch den Dorfkern verlaufenden Herz-Jesu und Fronleichnam-Prozessionen; die Marienprozession in der Vill (wieder ein Opfer dieses äußerst sonnigen Sommers) und am Schluss die jedes Jahr an einem anderen Datum abgehaltene Ernte-Dank Prozession. 

Aber nicht immer tritt die Musikkapelle geschlossen an. Wie jede andere ordentliche Musikkapelle tritt auch die Musikkapelle Neumarkt von Zeit zu Zeit in einer abgespeckten Version an, das wir dann eine „Böhmische“ nennen. Die Böhmische gibt auch eigene Platzkonzerte, die sie dann mit einem Frühschoppen verbindet und sie spielt auf Festen wie dem heurigen Musikfest oder dem Mazzoner- Kirchtag. 

Für die ganz besonderen Anlässe spielt dann eine kleine Gruppe aus besonders talentierten und engagierten Musikanten. Diese war zum Beispiel zu Allerheiligen zu hören. 

So viele Auftritte bedeuten für die Herren, und Damen, Musikanten natürlich einen riesen Stress, schließlich ist man vor jedem Konzert gleich nervös wie vor seinem ersten Auftritt!

Da wollen sie es sich auch nicht nehmen lassen zwischen durch mal Dampf abzulassen und ordentlich auf den Putz zu hauen. Dies geschieht meist in gemütlicher Runde bei einem Glas Wein oder einem Bierchen nach den Proben oder Konzerten, manchmal trifft man aber auch nur zum Zwecke des feuchtfröhlichen oder entspannten Beisammenseins.

Manchmal kommen unsere Musikanten mit diesem Ziel vor Augen ganz schön in der Welt herum! So zogen sie im Winter zum Rodeln und Schmausen ins ferne Vinschgau zum Erlebnisberg Watles. Und als man ihnen dann erzählte, dass am oberen Ende der Piste ein deftiges Mittagessen auf sie warte, da rannten sie freilich alle den Berg hinauf, trotz Schnee und in voller Rodel- oder Skimondur. Und als sie dann den armen vinschger Gastwirten die Hütte leergefressen hatten, da setzten sie sich auf ihre Rodeln um so schnell wie möglich ins Tal zu kommen und im nahen Burgeis die nächste warme Gaststube aufzusuchen.

Einmal kamen sie auf all ihren Reisen sogar in die „alte Heimat“, nämlich nach Salzburg, wo sie aber nicht nur Schlendrian betrieben, sondern, als kultureller Verein, auch etwas für ihre Bildung taten, schließlich ist Salzburg eine wunderschöne und geschichtsträchtige Stadt. 

Aber die Musikkapelle ist natürlich kein asozialer Verein, sie lässt sich nicht nur bewirten, sondern möchte, dass auch andere ihren Spaß haben und tragen so auch einen Teil zur Dorfgemeinschaft bei. Guter Anlass das zu tun ist natürlich das alljährliche Laubenfest, auf dem die „Musig“ mit einem Stand vertreten ist, auf dem sie nicht nur ausschenkt sondern auch den besten Strauben auf dem ganzen Fest macht. Der fleißigen Mithilfe unserer Straubenköchinnen sei Dank!

Ein anderes Mal organisierte man zusammen mit dem Hockeyverein den „longen Neimorktner Aperitif“ auf dem Dorfplatz, bei dem die Leute bis spät in die Nacht hinein edle Tropfen, Aperitif Getränke wie Hugo und Venziano, und kleine Häppchen zu entspannender oder unterhaltsamer Musik, diesmal nicht von den Musikanten selber produziert, genießen konnten.  

Dieses Jahr hatten die Musikanten aber auch einen sehr besonderen Anlass zu feiern und sich feiern zu lassen, nämlich den runden Geburtstag der Musikkapelle Neumarkt! Jung und Alt lud man in den altehrwürdigen Seeberhof zum dreitägigen „Musigfest“ im Mai. Da dieses nur alle 5 Jahre veranstaltet wird, darf man sich dieses Großevent natürlich nicht entgehen lassen! Auf dem Fest setzten die Musikanten Himmel und Erde in Bewegung, damit es sicher allen Besuchern in  Erinnerung bleibt und auch selbst wollte man einen angenehmen Abend verbringen. Besonders die musikalische Unterhaltung war ausgezeichnet und reichte vom dorfbekannten DJ bis zu befreundeten Musikkapellen, und natürlich durfte auch der Auftritt der eigenen Böhmischen und unserer Jugendkapelle nicht fehlen.

Jugendarbeit wird in Neumarkt nämlich großgeschrieben und die Auftritte der Jugendkapelle, mit Kindern und Jugendlichen aus mehreren unterlandler Gemeinden, würden noch einmal einen eigenen Artikel benötigen! Jugendarbeit beginnt aber schon bei den ganz kleinen, also arbeitete man mit der Grundschule zusammen, um den Kindern die Freude an der Musik zu vermitteln und sie dazu zu bewegen ein Instrument zu erlernen. Einmal stellte man den Kindern die Instrumente der Musikkapelle vor und ein weiteres Mal half man der Grundschule bei der Veranstaltung eines Musikprojektes. Der Nachwuchs ist also gesichert!

Obwohl man beim Spielen eines Instrumentes meistens sitzt, sind unsere Musikanten keine Stubenhocker, ganz im Gegenteil sind die meisten der Musikanten, ob junge Hüpfer oder alte Hasen, körperlich Topfit und beweisen das auch immer wieder.

Manchmal im Wettkampf untereinander, wie bei der Sommerolympiade im Lido mit verschiedenen Wasserspielen, die trotz widrigen Wetterbedingungen abgehalten wurde, schließlich sind Musiker ja keine Weicheier.

Manchmal im Wettkampf gegen andere Musikkapellen, wie beim VSM-Bezirksrennen in Reinswald im Skifahren und Rodeln, wo man sich zwar nicht gegen die harte Konkurrenz aus den typischen „Ski-Gemeinden“ durchsetzen konnte,  aber immer noch ein passables Ergebnis erzielte.

Und dann wieder im Dorf gegen andere Vereine, wie beim Eisstockturnier, bei dem trotz eines starken „Moars“ und allen menschenmöglichen Anstrengungen auf dem vorletzten Platz landete, ich tendiere dazu der Qualität des Eises die Schuld für diese Schlappe zu geben.

Etwas erfolgreicher war man da schon beim heurigen Fußball-Turnier. Nach den überragenden Leistungen im Jahr davor mussten die Fußball-Profis der Musikkapelle natürlich ihre Ehre als „Götter des Kleinfeldfußballs“ verteidigen. Zwar musste man sich im Finale nach einem ausgeglichenen und fairen Spiel geschlagen geben, aber mit einem verdienten zweiten Platz und einer schlagkräftigen Fangemeinde, sicherten sich die Kicker ihren Platz im neumarktner Fußball-Olymp. 

Bei all diesen Wettkämpfen hielt man sich natürlich immer an die Regeln des Fairplay und der Sportlichkeit, und an das olympische Prinzip „dabei sein ist alles“. Trotzdem: die nächste Saison kommt bestimmt, also haltet euch fest, ihr Kapellen aus Bergdörfern!

Eine solche Musikkapelle ist natürlich eine teure Angelegenheit, Instrumente und Trachten gibt es nicht umsonst. Damit also die Kapelle auch in Zukunft das Dorf mit Klängen erfüllen kann, ist man auf die monetäre Hilfe der Dorfbewohner angewiesen. Deshalb schwärmen alle zwei Jahre wieder die Musikanten im Dorf aus und gehen von Tür zu Tür um einen Obolus zu erbitten und nutzen die gute Gelegenheit, um gleichzeitig auch ein bisschen Mundpropaganda für das anstehende Frühjahrskonzert zu machen. Dies war auch heuer wieder der Fall. 

Musikanten sind natürlich Künstler und deshalb von sich aus schon ein bisschen verrückt. Deshalb verwundert es einen auch nicht, dass die Musikkapellen auf so eine verrückte Idee gekommen sind wie der Cold-Water-Challenge. Dabei geht es darum, dass sich die gesamte Kapelle in Badesachen oder Tracht ins Wasser stellt und einen Marsch spielt. Das Video von der Aktion stellt man dann auf Facebook und kann dann drei weitere Kapellen nominieren, die das dann auch machen müssen, sonst sind sie ein Fass Bier und eine „Marend“ schuldig. Da die neumarktner Musikanten ja für jeden Spaß zu haben sind, warfen sie sich, sobald nominiert, sofort in Schale und hüpften mitsamt Instrumenten in den neumarktner Dorfbrunnen, und wer dort keinen Platz mehr fand, nahm einfach einen Wasch-Bottich oder ein Schaffl voll Wasser und stellte sich dort hinein. Da dieser Trend aber schon in ganz Südtirol die Runde gemacht hatte, war es äußerst schwierig eine Kapelle zu finden die noch nicht ins kalte Wasser musste, also nominierte man kurzerhand die neumarktner Schützenkompanie, von der einige Vertreter sich den Spaß angeschaut hatten, die aber keineswegs erfreut darüber wirkten! 

Wenn man nun hört was für Kindereien sich die Musikanten von Zeit zu Zeit leisten, dann muss man schon sagen: auch wenn die „Musig“ jetzt schon hundertneunzig Lenze auf dem Buckel hat, ist sie immer noch ein „Jung-gebliebener“ Verein! 

 

von Philipp Ferrara

 

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