Jahresrückblick 2018

Samstag, 24 November 2018 20:00
Die Musikkapelle Neumarkt, unter der musikalischen Leitung des Kapellmeisters Giovanni Dalfovo, bei ihrem Frühlingskonzert am 24. März 2018 im Haus Unterland in Neumarkt. Die Musikkapelle Neumarkt, unter der musikalischen Leitung des Kapellmeisters Giovanni Dalfovo, bei ihrem Frühlingskonzert am 24. März 2018 im Haus Unterland in Neumarkt.

Es ist wieder November. Es ist wieder ein weiteres Jahr ins Land gegangen. Die Menschen sind wieder ein Jahr älter geworden. Der Winter ist ins Land gekommen. Mensch und Natur sind müde und sehnen sich nach ein paar ruhigen Momenten. 

Nicht so die Musikkapelle Neumarkt! Diese ist noch immer voller Schwung bei der Sache und trotz 194 Jahren auf ihrem Buckel immer noch nicht leise. Die Musiker selber sind im Durch-schnitt sogar noch jünger geworden, schließlich konnte man auch heuer wieder junge Verstärkung dazu holen. Es sind nämlich bei den Musikern Johanna und Maximilian dazu gekommen und bei den Marketenderinnen Nadine. Aber auch die „reiferen“ Musikanten sind in diesem Jahr geistig nicht wirklich älter geworden, sondern eher noch ein bisschen kindischer, wie euch Fabian sicher mit ein paar ausgewählten Schnappschüssen bezeugen kann. 

 

Natürlich haben die Musikanten auch ihre seriösen Momente und üben fleißig für die vielen Auftritte. Immer wieder marschiert die Kapelle zu verschiedenen Feierlichkeiten und Prozessionen durchs Dorf. Die Bewohner der Lauben können ein Lied davon singen, denn bei dieser Gelegenheit gilt meistens der Grundsatz: Mit voller Lautstärke voraus. 

Dafür schafft es Kapellmeister Giovanni inzwischen ganz gut, den Geltungsdrang gewisser Register im Zaum zu halten und bei Konzerten den richtigen Ausgleich zwischen Lautstärke und richtigen Noten herzustellen. Seine Haarpracht zeugt davon, wie viele Anstrengungen ihm das bereitet hat. Konzerte spielt die Kapelle am meisten natürlich im Dorf, da wären zum einem die Platzkonzerte und das Konzert in der Vill und zum anderen das Frühjahrskonzert, der Höhepunkt des musikalischen Jahres. 

Beim Frühjahrskonzert konnte die Kapelle wieder mit einer Führung durch verschiedene Musikstile und Länder beeindrucken. Außerdem war dies der richtige Zeitpunkt, um ein paar wichtige Ehrungen vorzunehmen: die Musikanten Albert, Gustl und Norbert wurden für je-weils 50 Jahre, Felix für 40 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Zusammen kommen sie so auf ins-gesamt 190 Jahre Mitgliedschaft, fast so alt wie die Kapelle selber. Diese Ehrungen mussten natürlich anschließend gebührend gefeiert werden, schließlich ist jeder Grund auf den Putz zu hauen willkommen. 

Auch außerhalb des Dorfes ist die Musikkapelle ständig auf dem Weg und das nicht nur in der Republik Vill. Neben den Konzerten in Laag und Kaltern  spielte man heuer auch in St. Walburg im Ultental. Besonders beeindruckend für Musikanten und Zuschauer waren sicher die Umzüge in Cortina d’Ampezzo und beim Traubenfest in Meran, wo 30 bzw. 50 Kapellen  und Kompanien in einem Strom aus Musik durch die Straßen zogen. Scheinbar hatte die Luft in Cortina ganz besondere Wirkung, denn der Stabführer der Neumarktner war plötzlich stark verjüngt. Ein weiteres Highlight der Feierlichkeiten in Cortina war das große Konzert aller Kapellen zusammen als Abschluss des Umzuges. 

 

Man könnte also meinen, dass die Musikanten mit all diesen Auftritten und den über 90 Proben im Jahr schon leicht versorgt sind. Allerdings gibt es ein paar Fanatiker, die auch noch in der Böhmischen Kapelle und in der Kleinen Gruppe spielen, die beide von Markus geleitet werden. Die kleine Gruppe hatte seit der letzten Cäcilienfeier noch einmal zusätzliche sieben Proben und ganze 18 Auftritte. Die meisten davon fanden auch noch im Winter statt, wo die restlichen Musikanten keine Konzerte geben, sondern sich lieber in Ruhe auf das nächste Frühjahrskonzert vorbereiten. Die Böhmische hingegen hat zwei Proben und sieben Auftritte hingelegt. Während die Böhmische meistens auf Festen aufspielt, ist die Kleine Gruppe eher bei besinnlicheren, aber auch traurigeren Anlässen unterwegs, wie zum Beispiel kirchlichen Feiern und Beerdigungen. 

 

Spielen macht bekanntlich durstig, deshalb nehmen die Musikanten gern jede Gelegenheit war, sich gemütlich bei einem Glas zusammenzusetzen. Die klassischen Gelegenheiten dazu sind Feiern wie die Weihnachtsfeier, die Marende für die Laubenfest-Helfer oder das heutige Cäcilienessen. 

Eine besondere Gelegenheit über den eigenen Tellerrand (oder eher Glas-Rand) hinaus zu schauen, bot hingegen die Fahrt der Gemeinde Neumarkt nach Rheinfelden, wo 50 Jahre Städte-Partnerschaft gefeiert wurden. Bei dieser Feier konnte die Musikkapelle ein bisschen Eindruck bei den Rheinfeldnern schinden: Beim Konzert im Bürgersaal von Rheinfelden war man der heimischen Kapelle zahlenmäßig nämlich weit überlegen und konnte eine ganz andere Lautstärke produzieren. Dem einheimischen Publikum gefiel das offenbar so gut, dass sie das Sakrileg wagten und zum Marsch „Mein Heimatland“ eine Polonaise hinlegten.

Da Rheinfelden sehr nahe an der Schweiz liegt, nutzte man am Tag die Gelegenheit aus und machte einen Ausflug nach Basel. Andere Musikanten blieben hingegen eher klassisch und besuchten die Feldschlösschen Brauerei. Am Abend kam man dann wieder zusammen und erhielt von den Eingeborenen einen Crashkurs darin, welche Getränke sich am besten mit Fanta mischen lassen. 

 

Alkohol enthält bekanntlich sehr viele Kalorien, weshalb die Musikanten sich zwischendurch auch sportlich betätigen müssen. Dazu gehört die Sommerolympiade, die jährlich im Lido abgehalten wird und bei der auch die Mitglieder der Schützenkompanie teilgenommen haben. Außerdem nehmen ein paar sportliche Musikanten immer wieder an Dorfturnieren teil, zum Beispiel dem Fußballturnier, dem Dartsturnier und dem Eisstockturnier. Bei letzterem spielt die Kapelle zwar immer noch im letzten Drittel mit, arbeitet sich aber jedes Jahr weiter nach vorne. 

 

Außerdem bemüht man sich immer wieder darum, auch anderen die Möglichkeit zum Fei-ern zu geben. Zum Beispiel frieren sich die Mitglieder der Kapelle im Dezember regelmäßig verschiedene Körperteile ab, um den Glühweinstand im Dorfzentrum am Laufen zu halten. Auch beim Laubenfest war man wieder mit einem eigenen Stand vertreten. Wie immer mussten sich nach dem Fest ein paar tapfere Mitglieder opfern, das letzte Bierfass zu leeren.

 

Damit man auch in Zukunft so weiter machen kann, ist es immer wichtig, frischen Wind in die Kapelle zu bringen. Wie wir schon gehört haben, kamen heuer drei neue Mitglieder dazu. Die Kapelle ruht sich aber nicht auf diesen Lorbeeren aus, sondern bemüht sich weiterhin, junge Menschen für die Musik zu begeistern, zum Beispiel in dem man bei den Volksschülern und Kindergartenkindern fleißig die Werbetrommel rührt. Auch die Jugendkapelle war heuer wieder sehr aktiv und spielte bei einem Weihnachts- und einem Frühjahrsprojekt zusammen mit den jungen Montanern verschiedene Konzerte. Im Sommer wurde wie jedes Jahr ein Jugendkapelllager mit Kindern aus Neumarkt, Montan, Truden, Kurtatsch, Penon und Bozen organisiert und mehrere Konzerte gegeben. Bei dieser Gelegenheit versuchte man den Kin-dern nicht nur musikalische Fertigkeiten beizubringen, sondern sie auch ein bisschen zu disziplinieren, worüber sich ein anonymer Teilnehmer bereits beklagt hat. Für die älteren Jugendlichen laufen im Moment die Proben der Bezirksjugendkapelle mit Teilnehmern aus dem ganzen Unterland. Am 8. Dezember werden diese dann ihr Können zum Besten geben. 

Wenn die Kapelle auch weiterhin so erfolgreich darin ist, junge Menschen für die Musik zu begeistern, dann kann man für die Zukunft nur das Beste hoffen und der Kapelle ein noch einmal so langes Bestehen wünschen. 

 

 

von Philipp Ferrara

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