Chronik

Die Anfänge der Musikkapelle Neumarkt gehen auf das Jahr 1824 zurück, wo erstmals in Neumarkt eine Musikkapelle schriftlich erwähnt wurde. Die Leistungsfähigkeit der Neumarktner Musikkapelle dürfte in den Dreißiger-Jahren des 19. Jahrhunderts eher bescheiden gewesen sein.

Offensichtlich war sie im August 1838 nicht in der Lage in Bozen dem Kaiser Ferdinand die Aufwartung zu machen, hielt doch Beda Weber in seinem Denkbuch fest, dass die Schützenkompanien von Tramin, Neumarkt und Salurn ohne Musikbande auftraten.

Unter der Leitung von Alois Schöpf aus Oberhofen im Oberinntal, welcher 1839 nach Neumarkt kam und die Stelle eines Lehrers, Organisten und Kapellmeisters antrat, kam erstmals Leben in den Verein. Die Kunde seiner Tüchtigkeit drang bis zum Kaiser nach Wien, der ihm das Silberne Verdienstkreuz mit Krone zuerkannte.

Auf Alois Schöpf folgte sein Sohn Johann, der nicht so vielseitig wie sein Vater war, jedoch auf musikalischem Gebiet nicht weniger begabt. Es war für die Kapelle ein großer Verlust, als er bereits 1870 im Alter von 40 Jahren starb.

Doch man hatte Glück im Unglück. Bald darauf kam Vigil Schnegg aus Kurtatsch hierher, auch er Lehrer, und wie seine Vorgänger übernahm auch er die Leitung der Musikkapelle. In seiner Ära machte die Musikkapelle auch eine Wandlung äußerer Natur durch. Anfang der Achtziger-Jahre traten in vielen Ortschaften Tirols militärisch organisierte Feuerwehren ins Leben, dabei kam es nicht selten vor, dass sich die Musikkapellen mit den Löschmannschaften vereinigten und die Musikanten sich die Feuerwehruniformen zulegten. So geschehen 1882 in Neumarkt und 1885 in Montan. Die Symbiose Musikkapelle-Feuerwehr war aber in Neumarkt nur von kurzer Dauer. 1898 löste sich die Kapelle von der Löschmannschaft los und machte sich selbständig. Vigil Schnegg erlebte dies alles nicht mehr, er starb schon im Jahre 1893 im Alter von 60 Jahren.

Wiederum war es ein Lehrer, der nun die Leitung der Kapelle übernahm: Christian Riedl aus Lichtenberg im Vinschgau.

Ihm folgte Wilhelm Riedl, ein entfernter Verwandter des Christian Riedl der die Kapelle bis 1909 leitete.

Auf Ihn folgte Walter Riedl. Unter diesen beiden Männern ging es mit der Musikkapelle schnellen Schrittes bergauf. Zählte sie um die Jahrhundertwende noch 23 Mann, so erreichte sie bis 1913, am Vorabend des Ersten Weltkrieges, eine Stärke von 50 Musikanten. Noch wichtiger jedoch war, dass auch leistungsmäßig ein Aufstieg verzeichnet werden konnte. Alle Tauglichen im Lande, so auch die Musikanten und ihr Kapellmeister in Neumarkt mussten zur k. und k. Armee einrücken, weshalb man notgedrungen die Tätigkeit einstellte.

Im Jahr 1919 wurde sie unter Alfons Holzknecht als Verein Musikkapelle Neumarkt wieder gegründet. 1921 zählte der Verein bereits wieder 30 aktive Mitglieder, es ging also wieder richtig bergauf mit der Kapelle, bis im Jahre 1930, nach Jahren der Demütigungen und Verboten durch die neuen Machthaber, die Kapelle Ihre Tätigkeit ganz einstellte.

Ein Neuanfang wurde erst 1947 gewagt. Unter der Federführung von Luis Mock und mit tatkräftiger Unterstützung einiger alter Musikanten gelang dies im Jahre 1948. Die gesamte Dorfbevölkerung und die Gemeindeverwaltung verschafften dem Verein mit großzügigen Spenden eine erste Grundlage, die es erlaubte Instrumente und Notenmaterial anzuschaffen.

Als Kapellmeister konnte Josef Kleindienst gewonnen werden, unter dessen Stabführung die Kapelle einen rasanten Aufschwung vollzog. 1950 war man sogar in der Lage sich eine Tracht anzuschaffen. Es folgten Jahre voller Harmonie und Erfolge, bis sich dann in den Jahren 1964 und 1965 eine Krise nach der anderen einstellte und den Verein beinahe zur Auflösung führten.

Erst unter Kapellmeister Adolf Zanotti entspannte sich die angespannte Situation allmählich, galt es doch 1975 das 150jährige Bestehen der Kapelle zu feiern. In dieser erfreulichen Aufbauphase traf die Kapelle ein schwerer Schlag. Adolf Zanotti fiel am 17.07.84 einem Traktorunfall zum Opfer.

Auf Adolf Zanotti folgte Heinz Simonini aus Auer, doch nach verheißungsvollen Anfängen riss wieder der bekannte Schlendrian ein. 1988 legte er plötzlich die Dirigentenstelle nieder.

Wieder war man auf der Suche nach einem Kapellmeister. Man hatte Glück: Paul Tappeiner, bis vor kurzem noch Kapellmeister in Girlan, war bereit nach Neumarkt zu kommen. Für ein Jahr Aushilfe wollte er sich verpflichten, es wurden sieben daraus, sieben erfolgreiche Jahre. Unter seiner Stabführung gelang es endlich Ruhe und Ordnung und vor allem Kameradschaft wiederherzustellen. Auch gelang der lang ersehnte Qualitätssprung.

Auf Paul Tappeiner folgte 1995 Dietmar Walter, Absolvent des Bozner Konservatoriums, der die Kapelle zwei Jahre leitete. Ein Forschungsstipendium bewog ihn, Neumarkt für einige Zeit zu verlassen und ins Ausland zu gehen.

Als Nachfolger konnte Prof. Iginius Ferrari, Lehrer am Bozner Konservatorium und in der Südtiroler Blasmusikszene gut bewandert, gewonnen werden. Dank seiner unbestrittenen musikalischen Kompetenz, ist es unser Ziel weiter an der musikalischen Qualitätssteigerung zu arbeiten.

Nachdem uns Iginius Ferrari verlassen hatte, übernahm Markus Zanotti für ein Jahr die musikalische Leitung der Kapelle. Im Laufe dieses Jahres wurde intensiv nach einem neuen Kapellmeister gesucht.

Nach längerer Suche gelang es dann Karl Stuppner zu überreden als Kapellmeister nach Neumarkt zu kommen. Karl Stuppner kommt aus Deutschnofen und hatte 2003 bis 2006 die Leitung der Kapelle über. Im Dezember 2006 verließ Karl Stuppner überraschend dei Kapelle.

Sofort machte man sich auf die Suche um einen relativ reibungslosen Übergang zu schaffen und konnte Andreas Andergassen von der Bürgerkapelle Kaltern zum Dirigentenpult holen. Bis im Herbst 2009 leitete der junge Kalterer unsere Kapelle.

Im November 2009 hat sich die Kapelle für einen Wechsel am Dirigentenpult entschieden und konnte Giovanni Dalfovo für sich gewinnen. Giovanni, der das Konservatorium in Trient besucht hat und in mehreren Orchestern in In- und Ausland mitgewirkt hat, stammt aus Mezzolombardo (TN) und ist Musiklehrer an der Mittelschule in Mezzolombardo.

Die Musikkapelle Neumarkt hat anlässlich ihres 175 jährigen Gründungsfeier ein Buch herausgegeben. Bei Interesse schreiben Sie einfach ein Mail an info@mk-neumarkt.com mit Ihren Daten.

Die Musikkapelle feiert im Jahr 2024 ihr 200-jähriges Bestehen; seit nunmehr zwei Jahrhunderten leistet der Verein wertvolle Kulturarbeit und trägt damit wesentlich zum Dorfleben bei. In diesen 200 Jahren hat sich aber auch einiges getan: Die Musikkapelle ist gewachsen, hat Coronakrisen überstanden und das Vereinslogo wurde überarbeitet. 

Heute besteht der Verein aus 65 aktiven Mitgliedern, zwei unterstützenden Mitgliedern und einem Ehrenmitglied der deutschen und italienischen Sprachgruppe. Das Durchschnittsalter beträgt 34 Jahre, der Frauenanteil 45 Prozent. Die Holzbläser/-innen sind den Blechbläser/-innen zahlenmäßig knapp überlegen und das wird sich – wenn man einen Blick in die Jugendkapelle wirft – so schnell auch nicht ändern. Doch die Musikkapelle besteht nicht nur aus Musikerinnen und Musikern: Beim Marschieren wird der Verein von unseren sieben Marketenderinnen, den Fähnrichen und dem Stabführer angeführt.  

Zweimal in der Woche treffen sich die Mitglieder zum Proben und Musizieren, damit sich die rund 20 Auftritte im Jahr sehen lassen können, denn kein Laubenfest, keine Prozession und kein Villner Kirchtag finden ohne die Musikkapelle statt. Die Proben, Zusammenkünfte, Auftritte und Feste bieten aber auch Gelegenheit, den Zusammenhalt untereinander zu stärken und Generationen zusammenzuführen. Feiert ein Mitglied Geburtstag, geht es nach den Proben nicht so schnell nach Hause, denn dann wird mit Kuchen, Marenden und Getränken aufgewartet und in geselliger Runde gratuliert. 

Aber die Musikkapelle wäre nicht die Musikkapelle und stünde nicht so gut da, wenn es nicht die Jugendkapelle gäbe. Viele Mitglieder der Jugendkapelle treten nach einigen Lehrjahren in die Reihen der Musikkapelle über und bringen neuen jugendlichen Schwung ins Probelokal.  

200 Jahre sind eine lange Zeit. In den letzten 200 Jahren sind Kapellmeister, Obmänner und Mitglieder gekommen und gegangen, aber eines ist stets geblieben: die Freude am Musizieren und die wertvollen Freundschaften unter den Mitgliedern. In diesem Sinne: auf 200 weitere Jahre Musikkapelle Neumarkt. 

Die Kapellmeister

1824 – 1839  Johannes Müller
1839 – 1848  Alois Schöpf 
1848 – 1871  Johann Schöpf
1871 – 1893  Vigil Schnegg 
1893 – 1904  Christian Riedl
1904 – 1909  Wilhelm Riedl 
1909 – 1915  Walter Riedl 
1919 – 1926  Alfons Holzknecht 
1926 – 1928  Wilhelm Riedl
1928  Albert Bilderl 
1929  Ernst Eberl 
1930  Francesco Sallese 
1930 – 1938  Hans Namestnik 
1948 – 1950  Josef Kleindienst 
1950 – 1961  Karl Macek 
1961 – 1965  Adolf Zanotti 
1965 – 1967  Karl Macek 
1968  Günther Dunkel 
1969 – 1971  Franz Holzknecht 
1971 – 1984  Adolf Zanotti 
1984 – 1988  Heinz Simonini 
1988 – 1995  Paul Tappeiner 
1995 – 1997  Dietmar Walter 
1997 – 2001  Iginius Ferrari
2002  Markus Zanotti 
2002 – 2006  Karl Stuppner 
2007 – 2009  Andreas Andergassen 
seit 2009  Giovanni Dalfovo

Foto Maria Untersulzner
Das Dorf: Neumarkt

Im sonnigen Süden Südtirols liegt, nahe der deutschen Sprachgrenze auf knappen 217 Höhenmeter mit angenehmen mediterranem Klima, das mittelalterliche Marktfleck Neumarkt. Bereits im Mittelalter hatte Neumarkt durch seine Lage an der Hauptverkehrsader zwischen Norden und Süden eine wichtige Position im Handel und Gewerbe. Heute gilt die Ortschaft nicht nur als wirtschaftlicher Knotenpunkt, sondern auch als kulturelles Zentrum des Südtiroler Unterlandes.

Zu sehen und bestaunen gibt es in Neumarkt genug. Beim Spaziergang durch die malerischen Laubengänge wandert der Gast auf historischen Spuren und kann moderne Einkaufsmöglichkeiten nutzen. Neumarkt ist reich an Schätzen aus alter Zeit und reich an gut erhaltenen Baudenkmälern (venezianischer Baustil) die dem Kunstliebhaber besonders auffallen.

Nicht nur der Kulturfan kommt in Neumarkt auf seine Kosten, auch der sportliche Urlaubsgast findet viele Möglichkeiten sich hier wohlzufühlen: im renovierten Freischwimmbad, auf der Tennisanlage Schlosswiese, auf dem Eislaufplatz, im Pferdezentrum, beim Wandern im Naturpark Trudner Horn, beim Radeln auf dem neuen Radweg.

Neumarkt ist auch ein bekannter Obst- und Weinbauort und kann als zweite Heimat des Blauburgunders, besonders in den Lagen von Mazon, bezeichnet werden. Von Alters her ist bekannt, dass wo es guten Wein gibt die Gemütlichkeit und lebensfrohe Menschen zuhause sind. Neumarkt ist ein romantischer, naturverbundener und ruhiger Ort und gilt somit für Genießer als Geheimtipp und durch die ausgezeichnete Verkehrslage idealer Ausgangspunkt für Tages- und Erkundungsfahrten in die nähere und weitere Umgebung.